CV

Born 1996 in Nürnberg, Germany

Moved to Berlin in 2016 

Fine Art student at Kunsthochschule Berlin Weißensee since 2017

Deutschlandstipendium scholarship 2019

Nominated for the Studienstiftung scholarship 2019

2020/2021 Erasmus at Prof. Derting's performance class at Akademie der bildenden Künste Wien, Vienna

Birth of Alma Janu Atea Oppermann Pistner, February 2021 

Exhibitions/Screenings:
November 2018: Groupexhibition "What is worth living for", Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin, Germany
May 2019: "Frequencies II" screened at Screening II, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Oberhausen, Germany

May 2019: Groupexhibition "Balzac+X-188", Kunstverein Uelzen, Uelzen, Germany

Juni-July 2020: Groupexhibition "DE MINIMIS NON CURAT LEX", Borgo Ensemble, Nürnberg, Germany

17. Juli 2020 - open end: Participation in the podcast "A day in the life of a fool"which was streamed on cashmereradio.com and which can still be listened.

December 2020: Groupexhibition "Reslienzkomödie", Borgo Ensemble, Nürnberg, Germany
December 2020-January 2021: Groupexhibition "Darüber hinaus", Ortart, Nürnberg, Germany
December 2020-January 2021: Groupexhibition "Blumen des Bösen", Projektraum Hirtengasse, BBK, Nürnberg, Germany

June 2021: "beidezusein" screened at "European Short Film Festival 2021" and "APEX"July 2021: "beidezusein" screened at Apex Film Awards 2021

July 2021: "beidezusein" screened at European Short Film Festival 2021

Screening of "tropfen halten hiebe" at Fracto Film Festival 2021

October 2021: Soloperformane at Insola

October 2021: Groupexhibition "MTHR", Kollektiv Drei, Wuppertal
November 2021: Groupexhibition "dear reader", Kunstbuchbibliothek Foyer, Berlin

May 2022: Groupexhibition "Honour to all mothers of all times!", Gengenbach/Lahr


 

texts

Clara Pistner interessiert sich für ihr individuell Wahrgenommenes, Erfahrenes, Gespürtes und Gedachtes. Dem Objektiven sowie dessen Anspruch und Möglichkeiten kritisch gegenüberstehend, sieht sich Pistner unbedingt dem Subjektiven verpflichtet – dies im Besonderen auch in Bezug auf ihr, nicht als bloße Rolle, sondern als Teil ihrer Identität begriffenes Künstlerinnentum.
Entsprechend natürlich erschien es ihr, sich mit aufgekommener Schwangerschaft mit eben jener und allen damit einhergehenden Empfindungen und Reflexionen auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang entwickelte Pistner über den gesamten Verlauf ihrer Schwangerschaft hinweg eine Vielzahl verschiedener Zeichnungsserien und Malereien, die sowohl die körperlichen und mentalen Veränderungen und Bedürfnisse der Schwangeren wie auch eine eingehende Beschäftigung mit dem Themenfeld Mutterschaft in diesem frühen, der Geburt vorangestellten Zustand reflektieren.

 

„ohne Titel, rote Serie von Aquarellen:
schnelle Aquarelle, schnelle Gefühle, schnell aufs Blatt bringen
Körperzustände Veränderungen
konkret aber rätselhaft
Aquarelle entstehen, bei der Entstehung, durch die Entstehung, die Entstehung verstehend.“

„,Selbstportrait mit Baby im Bauch‘:
ich völlig zerflossen, abstrakt, wo fange ich an, wo ende ich? Wo höre ich auf, wo fängst du an? Du jetzt ganz konkret, immer spürbar, eindeutig da. In meinem Zentrum, im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Nimmst mein Bewusstsein mehr ein, als ich selbst. Was bin ich? Du bist.“

Marcia Breuer, https://other-writers.de, 19. April 2021

"Clara Pistner ist eine neugierige und vielseitig interessierte junge Künstlerpersönlichkeit, die in ihren Video- und Performance-Arbeiten vor allem auf beeindruckende Weise die conditio humana thematisiert. So setzt sich die Tochter einer Malerin immer wieder menschlichen Extrem- und Grenzsituationen aus, die sie in emotionale Ausnahmezustände bringen und sie zugleich thematisieren. Für diese Auseinandersetzung mit Grenzsituationen nutzt sie vor allem das Medium der Performance, in dem sie sowohl Erfahrungen verarbeitet als auch neue generiert: Beispielsweise in der Performance "Synthesis", die sie für den Rundgang der Hochschule 2019 konzipiert hatte. Dort setzte sie sich einen Tag lang auf den Boden, um eine halbtransparente Membran zu nähen, die sie gleichzeitig verhüllte und enthüllte. Der physisch anstrengende Prozess thematisierte sowohl das Bild der Künstlerin in der Öffentlichkeit als auch deren Verletzlichkeit in dieser Exponierung. Ebenso physisch anstrengend war die Performance "Humilitas, patentia, devotio", die sie ebenfalls 2019 im U-Bahnhof Leinestraße im Berliner Bezirk Neukölln realisierte: Auf ihren Knien wischt die Künstlerin den dreckigsten Boden Berlins vor sich – und führt diese Prozedur einer Reinigung aber dadurch ad absurdum, dass sie mit ihrem langen Kleid eine Farbspur hinter sich herzieht, die ihre Hingabe zur Sisyphos-Aufgabe werden lässt: So sehr sie sich dem Wischen vor sich hingibt, durch ihr Tun entsteht hinter ihr doch eine neue, nicht wegwischbare Spur. Ebenso wichtig wie der Hinweis auf die Vergeblichkeit menschlichen Tuns ist Clara jedoch die physische Erfahrung ihrer demütigen Haltung und Handlung auf dem U-Bahn-Boden vor aller Öffentlichkeit. Erinnerte das Hinterlassen einer Spur im öffentlichen Raum an die Arbeiten von Francis Alÿs, so gemahnt die Performance einer physischen und psychischen Extremsituation natürlich an die Performancekunst einer Marina Abramovic. Ebenso wie diese KünstlerInnen thematisiert Clara nicht nur archaische Gesten und Symbole, sondern auch Traumsequenzen sowie ihre persönliche Neugierde auf unbekannte Erfahrungen."


Prof. Dr. Knut Ebeling,

2019

Im Rahmen der Studienstiftungsstipendium Auswahl
 

"(...) Gegenüber hingen zwei aufgeblasene, organische Formen in weiß von Clara Pistner, die im Raum nebenan auf eine Performance zeigte. Natürlich lockte das viele BesucherInnen an, und das kleine Zimmer war teilweise sehr voll. Ich konzentrierte mich auf einen Stoffballen, der auf dem Boden lag und sich durch die Person drinnen immer wieder wölbte. Das statisch Organische an der Wand draußen bekam hier eine bewegliche Form. Ich fühlte mich an einen Kokon erinnert, in dem es brodelt.

Noch mehr erinnerte mich der von außen blickdichte Stoff aber an den Text von Adorno. Hier spiegelten sich formal die hermetischen und uneindeutigen Eigenschaften von Kunstwerken wieder, die Adorno in seiner selbst nie konkreten Art und Weise beschreibt. Als ich mich über den Stoffballen beugte, war ich mir sicher, dass die Person darin mich sah - ich erkannte unter dem weißen, fein-durchlöcherten Textil aber gar nichts. Diese Art von Negation beschäftigte mich auf dem Nachhauseweg. Inzwischen regnete es stark, und die Tram ließ auf sich warten. Dass sich Wahrheiten bei Adorno im Auge des Betrachtenden entfalten, zwingt meinem Urteil ja irgendwie auch die eigene Stimmung auf, dachte ich. Vielleicht bin ich nur meiner eigenen Wahrheit dadurch näher gekommen. 

Ich fühlte mich am Samstag schließlich ähnlich undurchlässig wie der Stoff in der Performance, war verschlossen und hatte nichts für Socializing übrig."
 

Lorina Speder

Über die Rauminstallation "Innen und Außen", die Objekte "Abscheu" und "Begierde und über die Performance "Synthesis"

taz, 9.Juli 2019
 

Liebe Clara, 

(...) Dein erster Teil, einem visuellen Tagebuch, besteht aus einer künstlerischen, gezeichneten Arbeit zum oder über das Thema Tagebuch. Das Tagebuch zeichnen, ein gezeichnetes Tagebuch, das zwischen Schreiben und Zeichnen changiert: Das Gesehene schreiben, das Geschriebene Sehen. (Wobei gar nicht klar ist, ob der oft gezeigte Stift zum Schreiben oder Zeichnen ist). Was aber klar ist, dass der Schwerpunkt des visuellen Tagebuchs auf ein ’in die Augen schreiben’ zielt, auf ein sehendes Auge, das schreibt und geschrieben wird. Deine Zeichnungen haben künstlerisch eine große Qualität der Ambiguität und Mehrdeutigkeit – so ist zB beeindruckend, wie die Zeichnungen nicht nur ‚über‘ etwas handeln und ’schreiben über’, sondern dass die Nerven, die Haare selbst zu schreiben zu beginnen scheinen. 

Dann folgt der zweite Teil, Notizen und Notate über das Tagebuchschreiben, die aber selbst kein Tagebuch bilden. Es fehlen Daten, Sätze, Linearität und Chronologie, die ein Tagebuch ausmachen. Das geschriebene und datierte Tagebuch bildet gleichsam die leere Mitte, um die sich diese Arbeit anordnet. Nach dem gezeichneten Schreiben folgt also hier das komplementäre geschriebene Zeichnen – denn auch die Schrift ist hingezeichnet und hat eine starke visuelle Qualitätät, ähnlich den Anagrammen von Unica Zürn. Im Stil einer Selbstbefragung werden hier wichtige Fragen zur Ästhetik des Tagebuchs gestellt: Wofür? Warum? Für wen? 

Die Reflexion und die Überlegungen zum Tagebuch enthalten – über die Leerstelle hinaus, um die herum sie sich gruppieren – wichtige Aspekte und teilweise auch Antworten auf selbst gestellte Fragen: Wie zum Beispiel dem Tagebuch als Werkzeug/Medium der Reflexion („Sein und gleichzeitig zugucken“); die Frage nach der Pflicht der Aufrichtigkeit, was zu den Fragen der Beichte und den von Foucault analysierten Geständnispraktiken führt; die Frage des Selbstverhältnisses und der Selbsttechniken; die Frage der Arbeit an der Notation und Mit-Schrift des eigenen Lebens; die Fragen nach Selbstsucht und Narzissmus des Tagebuchs sowie der Kontrolle über die Überlieferung; therapeutische Aspekte sowie die Frage der (Selbst-)Vorwürfe und (Selbst-)Zensur;das Verhältnis zwischen Aufschreiben und Aussprechen; die Frage nach Selbstfürsorge und Trost(Büchlein); und schließlich natürlich die für Künstler:innen wichtige Frage des Selbstporträts. 

Allein diese Vielzahl von Aspekten eingefangen zu haben ist schon beachtlich und beeindruckend. Im Stile einer Selbsterforschung ist Dir eine beeindruckende Notation eigener Überlegungen und eine gelungene ästhetische Übersetzung dieser vielen Aspekte gelungen. 

(...)

Ich (...) beglückwünsche Dich zu Deiner gelungenen Arbeit! 

 

Herzlich Knut 

Prof. Knut Ebeling, zu der Diplomarbeit "Tagebuch", Mai 2022

contact