Copyright by Philomena Wolflingseder

CV

 

born 1996 in Nürnberg, Germany

moved to Berlin in 2016 

Fine Art student at Kunsthochschule Berlin Weißensee since 2017

Deutschlandstipendium scholarship 2019

Nominated for the Studienstiftung scholarship 2019

Exhibitions:
November 2018: "What is worth living for", Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin, Germany
May 2019: Screening II, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Oberhausen, Germany

May 2019: "Balzac+X-188", Kunstverein Uelzen, Uelzen, Germany

Juni-July 2020: "DE MINIMIS NON CURAT LEX", Borgo Ensemble, Nürnberg, Germany


 

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"Clara Pistner ist eine neugierige und vielseitig interessierte junge Künstlerpersönlichkeit, die in ihren Video- und Performance-Arbeiten vor allem auf beeindruckende Weise die conditio humana thematisiert. So setzt sich die Tochter einer Malerin immer wieder menschlichen Extrem- und Grenzsituationen aus, die sie in emotionale Ausnahmezustände bringen und sie zugleich thematisieren. Für diese Auseinandersetzung mit Grenzsituationen nutzt sie vor allem das Medium der Performance, in dem sie sowohl Erfahrungen verarbeitet als auch neue generiert: Beispielsweise in der Performance "Synthesis", die sie für den Rundgang der Hochschule 2019 konzipiert hatte. Dort setzte sie sich einen Tag lang auf den Boden, um eine halbtransparente Membran zu nähen, die sie gleichzeitig verhüllte und enthüllte. Der physisch anstrengende Prozess thematisierte sowohl das Bild der Künstlerin in der Öffentlichkeit als auch deren Verletzlichkeit in dieser Exponierung. Ebenso physisch anstrengend war die Performance "Humilitas, patentia, devotio", die sie ebenfalls 2019 im U-Bahnhof Leinestraße im Berliner Bezirk Neukölln realisierte: Auf ihren Knien wischt die Künstlerin den dreckigsten Boden Berlins vor sich – und führt diese Prozedur einer Reinigung aber dadurch ad absurdum, dass sie mit ihrem langen Kleid eine Farbspur hinter sich herzieht, die ihre Hingabe zur Sisyphos-Aufgabe werden lässt: So sehr sie sich dem Wischen vor sich hingibt, durch ihr Tun entsteht hinter ihr doch eine neue, nicht wegwischbare Spur. Ebenso wichtig wie der Hinweis auf die Vergeblichkeit menschlichen Tuns ist Clara jedoch die physische Erfahrung ihrer demütigen Haltung und Handlung auf dem U-Bahn-Boden vor aller Öffentlichkeit. Erinnerte das Hinterlassen einer Spur im öffentlichen Raum an die Arbeiten von Francis Alÿs, so gemahnt die Performance einer physischen und psychischen Extremsituation natürlich an die Performancekunst einer Marina Abramovic. Ebenso wie diese KünstlerInnen thematisiert Clara nicht nur archaische Gesten und Symbole, sondern auch Traumsequenzen sowie ihre persönliche Neugierde auf unbekannte Erfahrungen."


Prof. Dr. Knut Ebeling,

2019

Im Rahmen der Studienstiftungsstipendium Auswahl
 

"(...) Gegenüber hingen zwei aufgeblasene, organische Formen in weiß von Clara Pistner, die im Raum nebenan auf eine Performance zeigte. Natürlich lockte das viele BesucherInnen an, und das kleine Zimmer war teilweise sehr voll. Ich konzentrierte mich auf einen Stoffballen, der auf dem Boden lag und sich durch die Person drinnen immer wieder wölbte. Das statisch Organische an der Wand draußen bekam hier eine bewegliche Form. Ich fühlte mich an einen Kokon erinnert, in dem es brodelt.

Noch mehr erinnerte mich der von außen blickdichte Stoff aber an den Text von Adorno. Hier spiegelten sich formal die hermetischen und uneindeutigen Eigenschaften von Kunstwerken wieder, die Adorno in seiner selbst nie konkreten Art und Weise beschreibt. Als ich mich über den Stoffballen beugte, war ich mir sicher, dass die Person darin mich sah - ich erkannte unter dem weißen, fein-durchlöcherten Textil aber gar nichts. Diese Art von Negation beschäftigte mich auf dem Nachhauseweg. Inzwischen regnete es stark, und die Tram ließ auf sich warten. Dass sich Wahrheiten bei Adorno im Auge des Betrachtenden entfalten, zwingt meinem Urteil ja irgendwie auch die eigene Stimmung auf, dachte ich. Vielleicht bin ich nur meiner eigenen Wahrheit dadurch näher gekommen. 

Ich fühlte mich am Samstag schließlich ähnlich undurchlässig wie der Stoff in der Performance, war verschlossen und hatte nichts für Socializing übrig."
 

Lorina Speder

über die Rauminstallation "Innen und Außen", die Objekte "Abscheu" und "Begierde und über die Performance "Synthesis"

taz, 9.Juli 2019
 

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Content Responsibility: Clara Pistner